Meinen ganz persönlichen Mac DeMarco-Moment hatte ich vor zirka fünf Jahren, als ein Freund mir den Song Ode to Viceroy vorspielte. Ich war sofort fasziniert von der Leichtigkeit der Melodie, die sich unweigerlich in meinem Gehörgang festsetzte, seinem Witz (eine Zigarettenmarke besingen, really?) und nicht zuletzt von Macs „goofy“ Auftreten nebst schnieker Frontzahnlücke. Seitdem verfolge ich seinen Werdegang und habe ihn auch schon diverse Male live gesehen, unvergessen damals, 2013, im Atomic Café in München, mit einer Handvoll Menschen und Sean Nicolas Savage als Support, a match made in heaven. Zuletzt 2016 wieder in München, allerdings in einer viel größeren Halle und mit einem sehr viel größeren Publikum – das Atomic hatte endgültig ausgedient.

Ich blieb also Fan, überlegte zwischenzeitlich, mich bei ihm auf eine Tasse Kaffee in sein house by the water einzuladen – wo er es doch am Ende seiner EP Another one ausdrücklich anbietet – hab es aber bis jetzt noch nicht geschafft (zeitlich natürlich). Nicht lange nach besagter EP kündigte Mac das nächste Album an und schon die ersten vorab veröffentlichten Tracks ließen vermuten, dass wir es dieses Mal mit einem anderen Mac zu tun haben. Zwar tragen sie alle seine unverkennbare Linie und ich mochte sie auf Anhieb, doch hatte ich das Gefühl, Macs Leichtigkeit nicht mehr wirklich greifen zu können und nun verstärkt altbekannte Melancholie und eine bisher unbekannte Schwere wahrzunehmen.

© Coley Brown

Beim ersten Hören der Platte war ich überzeugt – Mac ist erwachsen geworden, und das big-time. Zwar finden sich auf This Old Dog einige schöne, cheesy Lovesongs in guter alter Mac-Manier (“…my heart still beats for you”), angetan haben es mir aber die ungewohnt introspektiven, oft wirklich traurig-berührenden und sehr persönlichen Songs. Er besingt verloren gegangene Träume (“Why are you crying? It was you who denied them”), Abschiede, den Schmerz des Alleinseins und vor allem aber die Tatsache, unweigerlich zu jemandem zu werden, der man nicht sein will – und wenn es der eigene Vater ist. Reflektiert, persönlich, ehrlich und unheimlich erwachsen singt Mac in Watching him fade away über die Beziehung zu seinem Vater den er kaum kennt, dessen Zustand es ihm aber unmöglich macht, ihn und die mit seinem Ableben aufkommenden Gefühle weiterhin zu ignorieren – mit Abstand der emotionalste Track der Platte.

Mir gefällt, dass Mac sich gerade auch wegen seines unaufhörlich wachsenden Bekanntheitsgrades und fast Kultstatus nicht verbiegt und – wie es bestimmt dem ein oder anderen Fan sehr gefallen würde – beständig leichtfüßige Partymusik abliefert. Im Gegenteil: Er zeigt sich auf einmal ernst und verletzlich und liefert dennoch eine Platte ab, die auch den lustigsten Zeitgenossen mit einem wohligen Gefühl hinterlässt. Wer nur auf Party aus ist, der kann die eher melancholische Grundstimmung von This Old Dog wahrscheinlich auch einfach getrost ignorieren, because it still feels like Mac DeMarco!

Ob er seinen Vater nun wirklich angerufen hat, wie er im letzten Song erwägt, werden wir wohl nie erfahren. Aber es ist beruhigend für jedes Fanherz zu wissen, dass Mac scheinbar einen Weg gefunden hat, mit den Widrigkeiten des Erwachsenwerdens umzugehen und noch toller, dass er uns sogar daran teilhaben lässt. Big love for #Pepperoniplayboy.

Tourdaten: 07.11.17, Hamburg Gruenspan – 08.11.17, Berlin Astra – 10.11.17, Köln Die Kantine